Über kaum eine Heizung wird so gegensätzlich geschrieben wie über die Infrarotheizung: Für die einen ist sie die einfachste Wärme überhaupt, für die anderen eine teure Stromfresserin. Beides stimmt – je nachdem, wofür du sie einsetzt. Dieser Ratgeber stellt Vor- und Nachteile nebeneinander, räumt mit drei verbreiteten Behauptungen auf und zeigt, in welchen Fällen sich ein Paneel lohnt und wann du besser zu etwas anderem greifst. Wir verkaufen Infrarotheizungen – die Nachteile stehen hier trotzdem vollständig.
So heizt eine Infrarotheizung
Ein Heizkörper oder Konvektor erwärmt vor allem die Luft, die dann durch den Raum zieht. Ein Infrarotpaneel gibt seine Wärme überwiegend als Strahlung ab: Sie trifft Personen, Boden, Wände und Möbel direkt und wärmt sie auf – ähnlich wie Sonne auf der Haut. Die Luft wird erst über diese Flächen warm.
Fast alle Vor- und Nachteile folgen aus zwei Tatsachen: Die Wärme kommt schnell und gerichtet an, und sie wird direkt aus Strom erzeugt. Das Erste macht das Paneel stark für kurze, gezielte Nutzung. Das Zweite macht es teuer, wenn es lange und viel heizen muss.
Kurz gesagtStrahlung statt warmer Luft, Strom statt Brennstoff. Daraus ergibt sich fast alles, was für und gegen Infrarot spricht.
Die Vorteile
Die Wärme ist nach wenigen Minuten spürbar
Strahlungswärme wirkt, sobald das Paneel warm ist – auch wenn die Raumluft noch kühl ist. Für das Bad am Morgen, das Arbeitszimmer am Nachmittag oder den Hobbyraum am Wochenende ist das ein echter Vorteil: Du heizt nicht stundenlang vor, sondern schaltest ein, wenn du den Raum nutzt. Genau darüber, über weniger Betriebsstunden und nicht über einen besseren Wirkungsgrad, entsteht der Kostenvorteil bei kurzer Nutzung. Wie sich das rechnet, zeigt der Ratgeber zu den Betriebskosten.
Keine Wartung, keine Rohre, kein Schornstein
Ein Paneel hat keinen Brenner, keine Pumpe, keinen Lüfter und keine Leitungen mit Heizungswasser. Es gibt nichts zu entlüften, nichts zu reinigen und keinen Schornsteinfeger. Es arbeitet geräuschlos und braucht nur einen Stromanschluss. Die Paneele in unserem Sortiment haben fünf Jahre Garantie.
Flach, an der Wand oder an der Decke
Mit 20 Millimetern Tiefe hängt ein Paneel wie ein Bild an der Wand – oder verschwindet an der Decke. Die Wand unter dem Fenster bleibt frei, und Möbel lassen sich stellen, wo sie hinpassen. Deckenmontage hat einen zusätzlichen Vorteil: Die Strahlung erreicht den Raum von oben, ohne dass Sofa oder Schrank sie abschatten. Wie hoch das Paneel hängen sollte, steht im Ratgeber zur Deckenmontage. In Büros und Praxen mit Rasterdecke ersetzt ein passendes Paneel einfach eine Deckenplatte.
Jeder Raum für sich steuerbar
Jedes Paneel lässt sich einzeln regeln: mit einem Thermostat auf eine Wunschtemperatur, mit einem Zeitprogramm nur zu den Stunden, in denen der Raum genutzt wird, mit einem Bewegungsmelder im Flur. Du heizt also nicht die ganze Wohnung, um ein Zimmer warm zu bekommen. Welche Steuerung für welchen Raum passt, erklärt der Steuerungs-Ratgeber.
Einfach nachzurüsten
Wo eine Zentralheizung erweitert werden müsste, mit neuen Leitungen durch Wände und Decken, genügt für ein Paneel oft eine Steckdose. Im ausgebauten Dachgeschoss, im Anbau oder in der Mietwohnung ist das häufig der entscheidende Punkt: Die Anschaffung ist überschaubar, gebohrt wird nur für die Halterung. Was du selbst montieren darfst und was die Elektrofachkraft übernimmt, steht im Ratgeber Montage und Sicherheit.
Behaglich schon bei etwas kühlerer Luft
Wie warm sich ein Raum anfühlt, hängt nicht nur von der Lufttemperatur ab. Die Normen für thermische Behaglichkeit (DIN EN ISO 7730, DIN EN 16798-1) rechnen mit der operativen Temperatur, in die auch die Temperatur der umgebenden Flächen eingeht. Warme Flächen können einen Raum bei etwas kühlerer Luft gleich behaglich erscheinen lassen, und Strahlungswärme bewegt weniger Luft als ein Konvektor. Mehr folgt daraus nicht – siehe die Behauptungen weiter unten.
Wärme und Licht in einem Gerät
Mit einem LED-Lichtrahmen wird das Paneel an der Decke zugleich zur Raumleuchte. Das spart eine zweite Montage und eine zweite Stelle an der Decke. Wie das funktioniert und was es im Betrieb kostet, steht im Ratgeber Wärme und Licht kombinieren.
Kurz gesagtSchnelle Wärme, keine Wartung, wenig Platz, einfache Montage und jeder Raum einzeln regelbar – die Stärken liegen bei gezielter Nutzung.
Die Nachteile
Strom wird eins zu eins zu Wärme
Eine Infrarotheizung ist eine Stromdirektheizung: Aus einer Kilowattstunde Strom wird rund eine Kilowattstunde Wärme. Das ist technisch fast verlustfrei, aber es ist auch das Maximum. Eine Wärmepumpe nutzt denselben Strom, um Umgebungswärme aus Luft oder Erdreich zu holen, und macht daraus je nach Gebäude zwei bis vier Kilowattstunden Wärme. Bei gleichem Strompreis kostet dieselbe Wärme mit Infrarot also ein Mehrfaches. Den ausführlichen Vergleich gibt es im Ratgeber Infrarot oder Wärmepumpe.
Als Heizung für das ganze Haus meist teuer
Aus dem ersten Nachteil folgt der wichtigste: Je mehr Stunden ein Paneel läuft und je mehr Wärme durch Wände und Fenster verloren geht, desto teurer wird es. Die Verbraucherzentrale hält Infrarot als alleinige Heizung für ein ganzes, schlecht gedämmtes Haus für eine teure Lösung – und das sehen wir genauso. Warum der unsanierte Altbau für Stromheizungen der schwerste Fall ist, erklärt der Altbau-Ratgeber.
Kein günstiger Heizstrom, in der Regel keine Förderung
Für Wärmepumpen und Nachtspeicher bieten viele Versorger eigene, günstigere Tarife an. Für Infrarotheizungen gibt es solche Tarife meist nicht – du heizt mit deinem normalen Haushaltsstrom, im Mittel derzeit rund 37 Cent je Kilowattstunde (BDEW 2026). Staatliche Förderprogramme gibt es für Wärmepumpen, für Infrarotheizungen regelmäßig nicht.
Als Hauptheizung gelten gesetzliche Hürden
Als Zusatzheizung und beim Austausch einer vorhandenen Stromheizung Raum für Raum ist der Weg frei. Soll Infrarot aber die Hauptheizung eines Gebäudes mit Wohnungen werden, verlangt das Gebäudemodernisierungsgesetz einen deutlich besseren Wärmeschutz als vorgeschrieben: 45 Prozent besser im Neubau, 30 Prozent besser im Bestand. Ausgenommen sind Häuser mit höchstens zwei Wohnungen, von denen du eine selbst bewohnst. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber zum Heizungsgesetz.
Die Oberfläche wird heiß
Infrarotpaneele arbeiten mit einer heißen Oberfläche: nach Herstellerangaben typischerweise 90 bis 110 °C, die Geräte in unserem Sortiment bis etwa 105 °C. Das ist so vorgesehen, und Geräte über 85 °C müssen nach der Produktnorm EN 60335-2-30 einen zusätzlichen Überhitzungsschutz haben. Trotzdem: Handtücher, Vorhänge oder Möbel gehören nicht direkt davor, und an der Wand erreichen kleine Kinder das Paneel. Wo das ein Thema ist, ist die Decke die bessere Wahl.
Wärme nur, wo die Strahlung hinkommt
Was im Strahlungsbereich liegt, wird schnell warm; was im Schatten eines Schranks oder Sofas liegt, deutlich weniger. An der Wand kommt es deshalb auf den Platz an, in länglichen Räumen verteilen zwei kleinere Paneele die Wärme gleichmäßiger als ein großes. Und ein Paneel speichert kaum etwas: Nach dem Abschalten kühlt es schnell ab, die Wärme hält nur so lange nach, wie Boden und Wände sie gespeichert haben.
Kein warmes Wasser, und der Stromkreis muss passen
Eine Infrarotheizung heizt Räume, kein Wasser. Wer die Zentralheizung komplett ersetzt, braucht für Dusche und Küche eine eigene Lösung, etwa einen Durchlauferhitzer. Außerdem teilen sich Paneele den Stromkreis mit allem anderen: Ein üblicher 16-Ampere-Stromkreis liefert rechnerisch rund 3.600 Watt für alle Verbraucher zusammen. Bei mehreren großen Paneelen prüft die Elektrofachkraft die Aufteilung.
Kurz gesagtDer große Nachteil ist der Strompreis bei langer Laufzeit. Dazu kommen: kein Heizstromtarif, keine Förderung, Hürden als Hauptheizung, heiße Oberfläche und kein Warmwasser.
Vor- und Nachteile auf einen Blick
| Thema | Das spricht dafür | Das spricht dagegen |
|---|---|---|
| Wärme | nach wenigen Minuten spürbar, gerichtet | hält nach dem Abschalten kaum nach, Schatten hinter Möbeln |
| Betrieb | günstig bei kurzer, geregelter Nutzung | teuer bei langer Laufzeit und schlechter Dämmung |
| Effizienz | fast verlustfrei, 1 kWh Strom zu 1 kWh Wärme | Wärmepumpe macht aus derselben kWh 2 bis 4 kWh |
| Anschaffung | überschaubar, Montage oft ohne Handwerker | keine Förderung, kein vergünstigter Heizstrom |
| Wartung | keine – keine Rohre, kein Brenner, geräuschlos | – |
| Platz | 20 mm flach, Wand oder Decke | Abstand zu Brennbarem nach Anleitung einhalten |
| Sicherheit | Überhitzungsschutz nach EN 60335-2-30 | Oberfläche bis etwa 105 °C heiß |
| Recht | als Zusatzheizung und beim Einzelraum-Tausch frei | als Hauptheizung Wärmeschutz-Hürden, außer im selbst bewohnten Haus mit bis zu zwei Wohnungen |
| Warmwasser | – | nicht möglich, eigene Lösung nötig |
Drei Behauptungen, die du nicht glauben solltest
„Spart die Hälfte der Heizkosten“
Solche Versprechen sehen wir oft, belegen lassen sie sich nicht. Infrarot hat keinen höheren Wirkungsgrad als andere Stromheizungen – sparen kannst du nur über weniger Betriebsstunden, also durch gezielte Nutzung und Regelung. Wie viel das ausmacht, hängt an deinem Raum und deinem Alltag. Sparversprechen in Prozent machen wir deshalb nicht.
„Gut für Allergiker, verhindert Schimmel“
Dafür gibt es keine belastbaren Belege, und Verbraucherzentralen kritisieren solche Werbeaussagen ausdrücklich. Belegt ist nur, was oben unter Behaglichkeit steht. Schimmel entsteht, wo feuchte Luft an kalten Flächen kondensiert – dagegen helfen Lüften, Dämmung und die Suche nach der Ursache, nicht eine bestimmte Heizungsart.
„Mit Photovoltaik heizt du kostenlos“
Geheizt wird im Winter und am Abend – genau dann, wenn eine PV-Anlage am wenigsten liefert. Die Verbraucherzentrale nennt für ungedämmte Altbauten Deckungsgrade von nur etwa zehn Prozent. Rechne deshalb mit Netzstrom und betrachte den Solaranteil als Bonus.
Für wen es sich lohnt – und für wen nicht
Eine Infrarotheizung ist oft die beste Wahl, wenn …
- ein einzelner Raum schnell und nur zeitweise warm werden soll: Bad am Morgen, Arbeitszimmer, Gästezimmer, Hobbyraum.
- die Zentralheizung einen Raum nicht erreicht oder nicht ausreicht, etwa im Dachausbau, Anbau oder Wintergarten, und neue Leitungen aufwendig wären.
- eine alte Stromheizung ersetzt wird, zum Beispiel ein Nachtspeicher – dazu gibt es einen eigenen Ratgeber zum Nachtspeicher-Tausch.
- ein gut gedämmter Neubau nur wenig Wärme braucht.
- Büro, Praxis oder Laden eine Rasterdecke haben und einzelne Zonen beheizt werden sollen.
Eher nicht, wenn …
ein ganzes unsaniertes Haus oder eine große Wohnung dauerhaft und allein mit Infrarot beheizt werden soll. Dann ist eine Wärmepumpe – oder ohne Heizungswasser-System ein Split-Klimagerät mit Heizfunktion – im Betrieb meist deutlich günstiger. Für einzelne Räume vergleicht der Ratgeber Zusatzheizung für einzelne Räume Infrarot ehrlich mit Heizlüfter, Ölradiator und Klimagerät.
Kurz gesagtFür einzelne Räume mit klaren Nutzungszeiten ist Infrarot stark. Als alleinige Heizung für ein ganzes, schlecht gedämmtes Haus ist sie die falsche Wahl.
Passt Infrarot zu deinem Raum?
Der Heizungsrechner fragt Größe, Dämmung und Fenster ab und schlägt dir die passende Leistung und Steuerung vor – für jeden Raum einzeln.
Raum jetzt berechnenWas das für deine Entscheidung heißt
Die Frage ist nicht, ob eine Infrarotheizung gut oder schlecht ist, sondern wofür du sie einsetzt. Für einzelne Räume und kurze Heizzeiten spielt sie ihre Stärken aus, als Heizung für das ganze Haus fast nie. Wenn du dich für einzelne Räume entschieden hast, hilft der Ratgeber Welche Infrarotheizung passt zu meinem Raum? bei der Auswahl. Die passenden Größen findest du unter Infrarot-Wandheizung und Infrarot-Deckenheizung, fertig mit Steuerung unter Infrarotheizung mit Thermostat.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Infrarotheizung?
Für einzelne Räume, die schnell und nur zeitweise warm werden sollen, oft ja – dort zählen schnelle Wärme, einfache Montage und keine Wartung. Als alleinige Heizung für ein ganzes, schlecht gedämmtes Haus lohnt sie sich meist nicht, weil der Strom eins zu eins zu Wärme wird.
Was ist der größte Nachteil einer Infrarotheizung?
Die Betriebskosten bei langer Laufzeit. Eine Infrarotheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom rund eine Kilowattstunde Wärme, eine Wärmepumpe zwei bis vier. Dazu kommt, dass es für Infrarot meist weder günstigen Heizstrom noch Förderung gibt.
Kann eine Infrarotheizung die ganze Wohnung heizen?
Technisch ja, sinnvoll ist es vor allem in gut gedämmten Gebäuden mit geringem Wärmebedarf. Rechtlich gelten für die Hauptheizung in Gebäuden mit Wohnungen Wärmeschutz-Anforderungen, außer im selbst bewohnten Haus mit höchstens zwei Wohnungen. Warmwasser braucht in jedem Fall eine eigene Lösung.
Wie heiß wird eine Infrarotheizung?
Nach Herstellerangaben typischerweise 90 bis 110 °C an der Oberfläche, die Paneele in unserem Sortiment bis etwa 105 °C. Geräte über 85 °C müssen einen Überhitzungsschutz nach EN 60335-2-30 haben. Wo kleine Kinder im Haushalt sind, ist die Deckenmontage die sicherere Wahl.
Wird eine Infrarotheizung gefördert?
In der Regel nicht. Staatliche Förderprogramme gibt es für Wärmepumpen, für Infrarotheizungen regelmäßig nicht. Die Konditionen ändern sich häufig – prüfe vor einer Entscheidung den aktuellen Stand.
Quellen
- Verbraucherzentrale Saarland: Warnung vor falschen Werbeaussagen zu Infrarotheizungen, 06.02.2025 – Wirkungsgrad, Wärmepumpen-Faktor, PV-Deckungsgrad. verbraucherzentrale-saarland.de
- Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: „Gasheizung oder Infrarotheizung?“, 31.01.2024 – Betriebskostenvergleich. verbraucherzentrale-rlp.de
- Verbraucherzentrale: „Für Infrarotheizungen gibt es oft keinen günstigen Heizstrom“. verbraucherzentrale.de
- BDEW: Strompreisanalyse 2026 – Haushaltsstrompreis. bdew.de
- § 10 Abs. 4 und § 46 GModG – Stromdirektheizungen in Neubau und Bestand (Primärquelle, geprüft 29.09.2026). § 46
- DIN EN ISO 7730 und DIN EN 16798-1 – thermische Behaglichkeit, operative Temperatur.
- EN 60335-2-30 – Sicherheit elektrischer Raumheizgeräte, Überhitzungsschutz. Oberflächentemperaturen 90–110 °C: Herstellerangaben der Branche.
- Tiefe, Oberflächentemperatur und Garantie unserer Paneele: Produktdaten Inferno Heat.
Zuletzt inhaltlich geprüft am 29.09.2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts-, Energie- oder Elektroberatung. Wir sind Händler für Infrarot-Heiztechnik; wo wir eigene Produkte nennen, ist das als Empfehlung aus unserem Sortiment gekennzeichnet.