Vorweg, weil es die wichtigste Zahl des Vergleichs ist: Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom das Zwei- bis Vierfache an Wärme, eine Infrarotheizung etwa das Einfache. Wer ein ganzes Haus dauerhaft heizt, fährt mit der Wärmepumpe günstiger – daran gibt es nichts zu deuteln. Interessant wird der Vergleich dort, wo diese Rechnung nicht das ganze Bild ist.
Die Physik: warum die Wärmepumpe gewinnt
Eine Infrarotheizung wandelt Strom nahezu verlustfrei in Wärme – aus 1 kWh Strom wird rund 1 kWh Wärme. Eine Wärmepumpe nutzt denselben Strom, um Umgebungswärme aus Luft oder Erdreich auf Heiztemperatur zu bringen: Je nach Jahresarbeitszahl liefert sie aus 1 kWh Strom 2 bis 4 kWh Wärme. Bei identischem Strompreis kostet dieselbe Wärmemenge mit Infrarot also ein Mehrfaches.
Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern Physik – und der Grund, warum „effizienter als eine Wärmepumpe“ bei Elektro-Direktheizungen zu Recht als irreführende Werbung beanstandet wurde. Wir behaupten nichts anderes.
Kurz gesagtFür dauerhafte Beheizung ganzer Gebäude ist die Wärmepumpe die effizientere Maschine – Punkt.
Die Kosten im Vergleich
| Posten | Infrarotheizung | Wärmepumpe |
|---|---|---|
| Anschaffung + Installation | niedrig (Paneele + Steuerung, keine Rohre) | hoch (Gerät, ggf. Flächenheizung, Installation) |
| Betriebskosten je kWh Wärme | ~37 ct (Haushaltsstrom 2026) | ~9–19 ct (je nach Arbeitszahl, ggf. WP-Tarif) |
| Wartung | keine wiederkehrende | regelmäßig |
| Eingriff ins Gebäude | minimal | erheblich (Außengerät, Verteilung) |
| Lebensdauer-Kostenprofil | günstig am Anfang, teuer im Betrieb | teuer am Anfang, günstig im Betrieb |
Annahmen
Strompreis 37 ct/kWh nach BDEW-Strompreisanalyse 2026; Wärmepumpen-Spanne aus Jahresarbeitszahlen 2–4 gerechnet. Anschaffungs- und Installationskosten variieren stark nach Gebäude – deshalb nennen wir Größenordnungen, keine Beträge. Für die Vollkostenrechnung über die Nutzungsdauer gehören beide Seiten in dieselbe Tabelle: Anschaffung, Installation, Wartung und Betrieb.
Die Konsequenz aus dem Profil: Je mehr Betriebsstunden, desto stärker gewinnt die Wärmepumpe. Je weniger Betriebsstunden, desto stärker zählt die Anschaffung – und dort liegt Infrarot vorn. Die Rechenwege mit Beispielen stehen im Kosten-Ratgeber.
Die Arbeitszahl: warum „2 bis 4“ keine Beliebigkeit ist
Die Spanne kommt aus der Jahresarbeitszahl (JAZ): dem Verhältnis von gelieferter Wärme zu eingesetztem Strom über ein ganzes Jahr. Eine JAZ von 3 heißt: dreimal so viel Wärme wie Strom. Wo eine Anlage in dieser Spanne landet, hängt am Gebäude:
- Nach unten drücken die JAZ: hohe Vorlauftemperaturen (alte Heizkörper statt Flächenheizung), schlechte Dämmung, strenger Frost bei Luft-Wärmepumpen.
- Nach oben heben die JAZ: Fußboden- oder Wandheizung, guter Wärmeschutz, milde Lagen.
Das hat eine unbequeme Konsequenz für den Altbau: Genau dort, wo Infrarot am teuersten ist, arbeitet auch die Wärmepumpe am schlechtesten – näher an 2 als an 4. Ihr Vorsprung schrumpft dann, verschwindet aber nicht: Auch eine JAZ von 2 halbiert die Stromkosten je Wärmemenge. Warum der unsanierte Altbau für beide Systeme der schwerste Fall ist, steht im Altbau-Ratgeber.
Kurz gesagtDie JAZ ist keine Geräteeigenschaft, sondern ein Zusammenspiel aus Gerät und Gebäude – und selbst eine schlechte JAZ schlägt den 1:1-Faktor von Infrarot.
Eine ehrliche Rechnung über 20 Jahre
Nehmen wir denselben Raum wie im Kosten-Ratgeber: 20 m², saniert, rund 1.400 Kilowattstunden Wärmebedarf pro Jahr bei dauerhafter Beheizung. Was kostet diese Wärme über 20 Jahre – nur im Betrieb?
| System | Strombedarf/Jahr | Kosten/Jahr | Betrieb über 20 Jahre |
|---|---|---|---|
| Infrarotheizung (1:1) | 1.400 kWh | 518 € | rund 10.360 € |
| Wärmepumpe (JAZ 3) | 467 kWh | 173 € | rund 3.460 € |
Der Betriebsvorteil der Wärmepumpe liegt in diesem Beispiel bei rund 345 Euro pro Jahr. Ob sie sich für den Einzelraum lohnt, entscheiden ihre Mehrkosten in Anschaffung und Installation: Teile diese Mehrkosten durch 345 Euro, und du hast die Jahre bis zum Gleichstand. Konkrete Geräte- und Montagepreise variieren zu stark, als dass wir hier eine Zahl behaupten wollen – hol ein Angebot ein und rechne mit deinen Werten.
Annahmen dieser Rechnung
Strompreis konstant 37 ct/kWh (BDEW 2026) für beide Systeme, JAZ 3 als mittlerer Wert, 1.400 kWh Wärmebedarf jährlich. Nicht enthalten: Anschaffung, Installation, Wartung (fällt bei der Wärmepumpe regelmäßig an, bei Paneelen nicht) und Preisänderungen über 20 Jahre. Wärmepumpen können zudem vergünstigte Tarife über einen separaten Zähler nutzen – Infrarot in der Regel nicht; das verschiebt die Rechnung weiter zugunsten der Wärmepumpe.
Und für kurze Nutzung kippt es: Das Bad-Paneel aus dem Bad-Ratgeber kommt auf 12 kWh im Jahr – rund 4,44 Euro. Dafür amortisiert sich keine Wärmepumpe der Welt.
Kurz gesagtBei Dauerbetrieb holt die Wärmepumpe jedes Jahr hunderte Euro auf – bei 75 Betriebsstunden im Jahr nie ihre Anschaffung.
Wann Infrarot trotzdem die bessere Wahl ist
- Wenige Betriebsstunden: Bad am Morgen, Gästezimmer, Ferienwohnung – für 75 Stunden im Jahr amortisiert sich keine Wärmepumpe.
- Kein Platz oder keine Genehmigung fürs Außengerät: Etagenwohnung, Denkmalschutz, Innenhof.
- Ein einzelner Raum ohne Heizungsanschluss: Dachausbau, Anbau, Gartenbüro – die Leitungsverlängerung kostet oft mehr als die komplette Infrarotlösung; siehe Altbau-Ratgeber.
- Ergänzung zur bestehenden Heizung: punktuelle Wärme dort, wo die Zentralheizung träge oder unterdimensioniert ist.
- Budget-Realität: Wenn die Wärmepumpe samt Installation schlicht nicht finanzierbar ist, ist ein geregeltes Paneel im meistgenutzten Raum besser als gar keine Lösung – als bewusste Zwischenlösung, nicht als Dauerkonzept fürs ganze Haus.
Kurz gesagtDie Wärmepumpe gewinnt über Betriebsstunden, Infrarot über Anschaffung und Flexibilität – die Nutzungszeit entscheidet den Vergleich.
Der unterschätzte Konkurrent im Einzelraum: das Split-Klimagerät
Ehrlicher Vergleich heißt auch: den stärksten Gegner nennen. Für den einzelnen Raum ist das oft gar nicht die große wasserführende Wärmepumpe, sondern das Split-Klimagerät – technisch eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Es heizt mit demselben Prinzip (Umgebungswärme statt reiner Stromwärme) und kühlt im Sommer.
| Kriterium | Infrarotpaneel | Split-Klimagerät |
|---|---|---|
| Betriebskosten je kWh Wärme | hoch (1:1) | niedriger (Umgebungswärme) |
| Anschaffung + Montage | niedrig, teils selbst montierbar | höher, Kälte-Fachbetrieb Pflicht |
| Außengerät | keines | nötig – Platz, Geräusch, ggf. Zustimmung (Miete/WEG) |
| Geräusch im Raum | lautlos | Lüfter hörbar |
| Extras | ggf. Licht (LF-Serie) | Kühlen im Sommer |
Die ehrliche Faustregel: Viele Heizstunden im Einzelraum und ein möglicher Außengeräte-Platz sprechen für das Split-Gerät. Wenige Stunden, kein Außengerät möglich, Lautlosigkeit oder kombiniertes Licht gefragt – dann Infrarot. Wer die Sommerhitze ohnehin kühlen will, bekommt beim Split-Gerät zwei Funktionen für eine Installation.
Kurz gesagtFür den dauerbeheizten Einzelraum ist das Split-Klimagerät der härteste Konkurrent – wir sagen das, obwohl wir keines verkaufen.
Die Kombination: Grundlast plus Punktwärme
In der Praxis konkurrieren die Systeme seltener, als die Debatte vermuten lässt. Ein häufiges Muster: Die Wärmepumpe (oder Bestandsheizung) trägt die Grundlast des Hauses – Infrarot liefert die Punktwärme dort, wo kurzzeitig mehr gebraucht wird: das Bad vor dem Duschen, der Arbeitsplatz im kühlen Nebenraum. So heizt die träge, effiziente Maschine dauerhaft niedrig, und die schnelle, direkte Wärme kommt nur minutenweise dazu.
Klimabilanz und Förderung
Beide Systeme heizen mit Strom – ihre Emissionen hängen also am Strommix. Der Unterschied ist die Menge: Wer für dieselbe Wärme nur ein Drittel des Stroms braucht, verursacht je Kilowattstunde Wärme entsprechend weniger Emissionen. Klimatisch fällt der Vergleich damit genauso aus wie wirtschaftlich: Für Dauerlast die Wärmepumpe. Ein Paneel, das gezielt eine halbe Stunde wärmt, verbraucht absolut wenig – je Wärmemenge bleibt die Wärmepumpe trotzdem vorn.
Zur Förderung: Für Wärmepumpen existieren staatliche Förderprogramme (KfW/BAFA), deren Konditionen sich regelmäßig ändern – prüfe den aktuellen Stand vor der Entscheidung. Für Infrarotheizungen gibt es vergleichbare Förderung regelmäßig nicht. Konkrete Fördersätze nennen wir bewusst keine: Sie veralten schneller, als Ratgeber aktualisiert werden.
Was Studien sagen – und wer sie bezahlt hat
Die Verbraucherzentralen (Saarland 2025, Rheinland-Pfalz 2024) rechnen konsistent vor, dass Infrarot als Vollheizung im Bestand deutlich teurer ist als Gas – und die Wärmepumpe je Kilowattstunde Strom das Mehrfache an Wärme liefert. Dem widersprechen wir nicht.
Auf der anderen Seite existiert eine Messstudie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (2024, zwei baugleiche Häuser), die für die Infrarotvariante rund 32 Prozent weniger Endenergie als Gasbrennwert maß. Auftraggeber war der Branchenverband IG Infrarot Deutschland; verglichen wurde Endenergie gegen Gas – nicht Kosten, nicht Wärmepumpe. Beides gehört zur Einordnung dazu, und deshalb steht es hier.
Kurz gesagtNeutrale Quellen sehen die Wärmepumpe klar vorn; die positivste Infrarot-Studie hat die Branche selbst beauftragt. Beides sagen wir dazu.
Kläre zuerst die Aufgabe
Geht es um einzelne Räume, rechnet der Konfigurator Leistung und Geräte durch. Geht es ums ganze Haus, gehört der erste Termin der Energieberatung – nicht dem Shop.
Berechne jetzt deinen EinzelraumHäufige Fragen
Hat Infrarot nicht 100 Prozent Wirkungsgrad?
Die Umwandlung ist nahezu verlustfrei, ja – aber die Wärmepumpe liefert durch genutzte Umgebungswärme rechnerisch über 100 Prozent Wirkungsgrad. Der Wirkungsgrad-Vergleich führt deshalb in die Irre.
Gibt es für Infrarot günstigen Heizstrom wie für Wärmepumpen?
Meist nicht – Infrarotheizungen gelten in der Regel nicht als steuerbare Verbrauchseinrichtung. Wärmepumpen-Tarife setzen genau das voraus.
Was ist mit Photovoltaik?
Sie verbessert beide Systeme, hebt den Unterschied aber nicht auf – und im Winter, wenn geheizt wird, liefert die Anlage am wenigsten. Für ungedämmte Altbauten nennt die Verbraucherzentrale Deckungsgrade um zehn Prozent.
Ist eine Split-Klimagerät die bessere Wärmepumpe für einen Raum?
Bei vielen Heizstunden oft ja – sie nutzt Umgebungswärme und kühlt zusätzlich. Sie braucht aber ein Außengerät, einen Kälte-Fachbetrieb und ist hörbar. Für kurze Nutzungszeiten und überall, wo kein Außengerät möglich ist, bleibt Infrarot die einfachere Lösung.
Wird die Wärmepumpe gefördert – und Infrarot nicht?
Für Wärmepumpen gibt es Förderprogramme, für Infrarotheizungen regelmäßig nicht. Den aktuellen Stand nennt der Abschnitt zur Förderung oben.
Quellen
- Verbraucherzentrale Saarland: Warnung vor falschen Werbeaussagen zu Infrarotheizungen, 06.02.2025 – Wirkungsgrad, Wärmepumpen-Faktor, PV. verbraucherzentrale-saarland.de
- Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: „Gasheizung oder Infrarotheizung?“, 31.01.2024. verbraucherzentrale-rlp.de
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik: Messvergleich Infrarot vs. Gasbrennwert, 2024; Auftraggeber IG Infrarot Deutschland e.V. ig-infrarot.de
- BDEW: Strompreisanalyse 2026. bdew.de
- Wettbewerbszentrale: Unterlassung irreführender „besser als Wärmepumpe“-Werbung bei einer Elektro-Direktheizung. wettbewerbszentrale.de
Zuletzt inhaltlich geprüft am 15.08.2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine Energieberatung. Wir sind Händler für Infrarot-Heiztechnik – und sagen trotzdem: Fürs ganze Haus rechnet sich zuerst die Wärmepumpe.