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Infrarotheizung im Bad: IP44, Watt und die Regeln, die wirklich gelten

Auswahl & Anwendung Ratgeber / Kommentare 0
Lesezeit etwa 8 MinutenZuletzt inhaltlich geprüft am 14.08.2026Autor: Kai

Das Bad ist der häufigste Einsatzfall für eine Infrarotheizung – und der einzige, in dem nicht dein Geschmack entscheidet, sondern eine Norm. Dieser Ratgeber sagt, welche Schutzart wo Pflicht ist, wie viel Leistung ein Bad braucht, was du selbst montieren darfst und was nachweislich nicht stimmt.

Badezimmer am Morgen mit Infrarotheizung an der Wand
Die halbe Stunde am Morgen, in der die Fußbodenheizung noch nicht angekommen ist – dafür ist Infrarot gebaut.
IP44Mindestschutzart für Heizpaneele in den Schutzbereichen 1 und 2DIN VDE 0100-701:2025-06
30 mAmaximaler Auslösestrom des Fehlerstrom-Schutzschalters – ausnahmslos für jeden Stromkreis im BadFassung 2025-06
4,44 €Stromkosten für ein 160-Watt-Paneel, eine halbe Stunde täglich über die HeizperiodeAnnahmen siehe unten

Warum die Schutzart im Bad keine Empfehlung ist

Wasser und Strom im selben Raum sind kein Gestaltungsthema, sondern ein Sicherheitsthema. Deshalb gibt es dafür eine eigene Norm: DIN VDE 0100-701, aktuell in der Fassung 2025-06, gültig seit dem 1. Juni 2025. Sie ersetzt die Ausgabe von 2008; für Bestandsanlagen läuft eine Übergangsfrist bis zum 6. Dezember 2027.

Die Norm teilt jedes Bad in Schutzbereiche ein und schreibt je Bereich eine Mindest-Schutzart vor. IP44 bedeutet dabei: geschützt gegen Fremdkörper ab 1 mm und gegen Spritzwasser aus allen Richtungen. Genau das brauchen Heizpaneele in den Bereichen, in denen sie überhaupt montiert werden dürfen.

Zwei Änderungen der Fassung 2025-06 sind praktisch relevant:

  • Die frühere Zone 3 entfällt. Wer mit älteren Planungsunterlagen arbeitet, findet sie dort noch.
  • Alle Stromkreise im Bad müssen ausnahmslos über einen Fehlerstrom-Schutzschalter mit maximal 30 Milliampere abgesichert sein. Die alte Regelung kannte hier noch Ausnahmen – bei Bestandsbädern wird das regelmäßig übersehen.

Zur Quellenlage: VDE-Normtexte sind kostenpflichtig und nicht frei einsehbar. Unsere Angaben stützen sich auf Fachpublikationen, die die Fassung 2025-06 auswerten, nicht auf den Normtext selbst. Für die verbindliche Auslegung in deinem Bad ist die Elektrofachkraft zuständig.

Kurz gesagtIP44 und ein FI-Schutzschalter mit 30 mA sind im Bad keine Extras, sondern Voraussetzung.

Die Schutzbereiche im Bad

Schutzbereich Wo genau Mindest-Schutzart
Zone 0 Innenraum von Wanne oder Dusche IPX7
Zone 1 Senkrecht über Wanne oder Dusche bis 2,25 m Höhe; bei Duschen ohne Wanne 1,20 m im Umkreis IPX4, max. 25 V AC
Zone 2 60 cm seitlich an Zone 1 anschließend IPX4

Praktisch heißt das: Ein IP44-Paneel ist für Zone 2 geeignet und – abhängig von Gerät und Einbausituation – auch für Zone 1. Wo genau dein Gerät in deinem Bad hängen darf, entscheidet aber nicht der Produkttext, sondern die Fachkraft anhand deines Grundrisses. Ein Paneel, das für Zone 2 zugelassen ist, wird nicht dadurch zulässig, dass es gut aussieht.

Unsere Badheizungen mit IP44 sind für diesen Einsatz gebaut. Bei der Planung gilt: erst der Grundriss, dann das Gerät.

Kurz gesagtMiss 60 cm seitlich ab Zone 1 (Wannen- bzw. Duschkante) — dahinter beginnt der Bereich, in dem ein IP44-Paneel unproblematisch ist.

Wie viel Leistung braucht ein Bad?

Hier müssen wir ehrlich sein: Eine herstellerunabhängige Zahl speziell für Bäder haben wir nicht gefunden. Was in der Branche zirkuliert, sind Faustformeln von Herstellern und Händlern – für Bäder üblicherweise am oberen Rand der jeweiligen Spanne, weil dort kurzfristig viel Wärme gefragt ist und der Raum meist gefliest ist und die Fliesen die Wärme erst aufnehmen.

Dämmstandard Faustformel Wohnraum Bad, Erfahrungswert
Neubau bzw. KfW-Standard ca. 40–70 W/m² oberer Rand
Saniert ca. 60–100 W/m² oberer Rand
Unsanierter Altbau ca. 100–150 W/m² oberer Rand

Für ein typisches Bad mit 5 bis 8 Quadratmetern landet man damit grob bei 400 bis 800 Watt, wenn das Paneel den Raum allein aufheizen soll – und deutlich darunter, wenn es nur die Zusatzwärme für den Morgen liefert. Genau das ist der übliche Fall, und dafür genügt oft ein einzelnes kleines Paneel wie das IR1 mit 160 Watt.

Was die Faustformel nicht kennt:

  • ob das Bad ein Außenwandbad mit Fenster ist oder innen liegt
  • wie viel Fliesenfläche die Wärme aufnimmt, bevor der Raum sie hält
  • ob du den Raum aufheizen oder nur dich selbst wärmen willst
  • ob eine Fußbodenheizung schon die Grundlast trägt

Wer belastbar dimensionieren will, braucht eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Alles andere ist Näherung – auch unsere Tabelle.

Erst rechnen, dann kaufen

Der Heizungskonfigurator führt dich über Raumgröße und Nutzung zu einer passenden Leistung und zu Geräten, die dafür ausgelegt sind. Er ersetzt keine Heizlastberechnung.

Bedarf jetzt berechnen

Kurz gesagtAls Zusatzwärme für den Morgen reicht meist ein kleines Paneel. Als alleinige Heizung rechnest du am oberen Rand der Spanne.

Wand, Decke oder mit Licht?

Wandmontage ist im Bad der Normalfall: Das Paneel strahlt dorthin, wo du stehst. Achte auf die Herstellerangaben zu Abständen – typischerweise 20 bis 50 Zentimeter zu brennbaren Materialien, aber das variiert je Gerät. Handtücher gehören nicht auf ein Heizpaneel, auch nicht kurz.

Deckenmontage hält Wandflächen frei und ist außer Reichweite – in Haushalten mit kleinen Kindern das stärkere Argument. Die Oberflächen von Infrarotpaneelen werden nach Herstellerangaben typischerweise 90 bis 110 Grad Celsius heiß; Geräte über 85 Grad brauchen nach der Produktnorm EN 60335-2-30 einen zusätzlichen Überhitzungsschutz. Heiß ist also normal und vorgesehen, aber nichts, was ein Kind anfassen sollte.

Die Variante mit Licht ist im Bad die interessanteste, weil viele Bäder innen liegen und ohnehin zusätzliches Licht brauchen. Unsere Lichtrahmen der LF-Serie kombinieren Wärme und dimmbares Licht mit umschaltbarer Farbtemperatur in einem Gerät – eine Deckeninstallation statt zwei.

Kurz gesagtWand für die direkte Wärme, Decke für Sicherheit und freie Wände, Lichtrahmen für innen liegende Bäder.

Die halbe Stunde am Morgen

Bedienung eines Funk-Thermostats
Ohne Zeitprogramm heizt das Paneel auch, wenn niemand im Bad ist.

Im Bad entscheidet die Steuerung über die Kosten, nicht die Leistung des Paneels. Der typische Bedarf ist eine halbe Stunde am Morgen – und genau dafür braucht es ein Zeitprogramm, das das Paneel vor dem Aufstehen einschaltet und danach wieder ausschaltet.

Die Rechnung dazu ist überschaubar: Ein Paneel mit 160 Watt, das an 150 Tagen jeweils eine halbe Stunde läuft, kommt auf 0,16 kW × 75 h = 12 Kilowattstunden. Bei 37 Cent je Kilowattstunde sind das rund 4,44 Euro für die gesamte Heizperiode.

Annahmen dieser Rechnung

160 Watt Anschlussleistung, 150 Heiztage, 30 Minuten pro Tag, 37 Cent je Kilowattstunde nach BDEW-Strompreisanalyse 2026. Ohne Zeitschaltung und mit längeren Laufzeiten steigt der Wert entsprechend. Ein Thermostat verkürzt die tatsächliche Einschaltdauer gegenüber der Nennleistung – wie stark, hängt vom Raum ab.

Für diesen Zweck genügt ein Funk-Thermostat oder ein Schaltrelais wie unser T01. Eine Übersicht findest du unter Steuerung & Smart Control.

Kurz gesagtMit Zeitprogramm kostet die Morgenwärme im Bad wenige Euro pro Heizperiode. Ohne Zeitprogramm ein Vielfaches.

Was gegen Schimmel wirklich belegt ist

Diese Frage kommt im Bad häufiger als jede andere, und im Netz steht dazu viel, was nicht belegt ist. Deshalb hier klar getrennt:

Was wir nicht behaupten

Dass eine Infrarotheizung Schimmel verhindert, ist nicht belegt. Wir haben dazu keine neutrale Quelle gefunden, und Verbraucherzentralen kritisieren solche Aussagen in der Werbung ausdrücklich. Gleiches gilt für Behauptungen, Infrarotwärme sei gesünder oder besser für Allergiker.

Was sich fachlich sagen lässt: Schimmel entsteht, wo warme feuchte Luft auf kalte Flächen trifft und dort kondensiert. An einer warmen Wandfläche kondensiert weniger Feuchte als an einer kalten – das ist Bauphysik und unabhängig davon, womit die Wand warm wird. Wer im Bad Feuchteprobleme hat, löst sie über Lüftungsverhalten, Wärmebrücken und Dämmung. Eine Heizung, gleich welcher Art, ist dabei ein Faktor unter mehreren, kein Ersatz für die Ursachenklärung.

Zur Behaglichkeit gibt es dagegen belastbare Normen: Nach DIN EN ISO 7730 und DIN EN 16798-1 wird thermischer Komfort nicht nur über die Lufttemperatur bestimmt, sondern über die operative Temperatur, in die auch die Strahlungstemperatur der Umgebungsflächen eingeht. Warme Flächen können ein Raumklima bei niedrigerer Lufttemperatur als gleich behaglich erscheinen lassen. Das ist der belegbare Teil – alles darüber hinaus ist Werbung.

Kurz gesagtStrahlungswärme ist behaglich, das ist normiert belegt. Schimmelfreiheit oder Gesundheitsvorteile sind es nicht.

Einzelgerät oder Set?

Weil im Bad fast immer eine Steuerung dazugehört, sind Sets hier meist der einfachere Weg – die Komponenten sind aufeinander abgestimmt, und du musst die Kompatibilität nicht selbst prüfen.

Variante Enthält Passt, wenn
Einzelpaneel IR1, 160 W eine Steuerung schon vorhanden ist
Starter-Set Bad IR1 plus Funksteuerung du Wärme mit Zeitprogramm willst, Licht aber vorhanden ist
Komfort-Set Bad IR1 plus LF10 Lichtrahmen das Bad innen liegt und auch Licht fehlt

Die aktuellen Zusammenstellungen und Preise findest du unter Heiz-Sets mit Steuerung und Sets mit LED-Licht.

Wer darf was montieren?

Im Bad gilt eine klare Grenze

  • Jede Installation im Badezimmer gehört in die Hand einer eingetragenen Elektrofachkraft – wegen der Schutzbereiche, der Schutzart und der FI-Pflicht.
  • Das gilt auch für steckerfertige Geräte, sobald die Steckdose selbst in einem Schutzbereich liegt oder neu gesetzt werden muss.
  • Wir sind Händler, keine Elektrofachkraft. Dieser Ratgeber ersetzt keine Prüfung vor Ort und keine Elektroplanung.

Was du selbst tun kannst und solltest: den Grundriss mit den Abständen zu Wanne und Dusche aufnehmen, die gewünschte Position markieren und beides der Fachkraft vorlegen. Das verkürzt das Gespräch und verhindert Fehlkäufe.

Kurz gesagtIm Bad plant die Elektrofachkraft, nicht der Produkttext — und auch nicht wir.

Häufige Fragen

Darf das Paneel über die Badewanne?

Über der Wanne beginnt Zone 1 mit strengeren Anforderungen. Ob ein bestimmtes IP44-Gerät dort zulässig ist, hängt vom Gerät und der Einbausituation ab und ist von der Elektrofachkraft zu beurteilen. Unproblematisch ist der Bereich ab 60 cm seitlich der Wanne.

Reicht ein Paneel für das ganze Bad?

Als Zusatzwärme für den Morgen meist ja. Als alleinige Heizung kommt es auf Größe und Dämmstandard an – dann sind 400 bis 800 Watt für ein typisches Bad ein realistischer Ausgangspunkt.

Wie schnell wird es warm?

Die Strahlung ist spürbar, sobald das Paneel Betriebstemperatur erreicht. Bis Fliesen und Wände die Wärme halten, dauert es deutlich länger – deshalb lohnt ein Zeitprogramm, das vor dem Aufstehen startet.

Kann ich das Paneel hinter einen Handtuchhalter setzen?

Nein. Alles, was die Strahlung abdeckt, mindert die Wirkung und kann je nach Material zum Sicherheitsproblem werden. Halte die Abstände aus der Montageanleitung ein.

Quellen

  • DIN VDE 0100-701:2025-06 – Schutzbereiche in Räumen mit Badewanne oder Dusche, gültig seit 01.06.2025, Übergangsfrist bis 06.12.2027 (Angaben nach Fachpublikationen; Normtext kostenpflichtig).
  • EN 60335-2-30 – Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch, Raumheizgeräte.
  • DIN EN 12831 – Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast.
  • DIN EN ISO 7730 und DIN EN 16798-1 – thermische Behaglichkeit, operative Temperatur.
  • BDEW: Strompreisanalyse 2026 – Haushaltsstrompreis. bdew.de
  • Verbraucherzentrale Saarland: Warnung vor falschen Werbeaussagen zu Infrarotheizungen, 06.02.2025. verbraucherzentrale-saarland.de
  • Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: „Gasheizung oder Infrarotheizung?", 31.01.2024. verbraucherzentrale-rlp.de

Zuletzt inhaltlich geprüft am 14.08.2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine Elektroplanung und keine Prüfung durch eine Elektrofachkraft. Wir sind Händler für Infrarot-Heiztechnik; wo wir eigene Produkte nennen, ist das als Empfehlung aus unserem Sortiment gekennzeichnet.